ABS Safety: Umfangreiches Automatisierungsprojekt mit AMR in Bestandsimmobilien

Automatisierung, perfekt eingepasst

Wie gelingt es, ehemalige Gewächshäuser in Logistikflächen zu verwandeln? Nicht zwangsläufig durch Abriss und Neubau – lautete die Antwort bei ABS Safety. Der Spezialist für Absturzsicherungssysteme setzte auf den Erhalt von Bestandsgebäuden und die Automatisierungskompetenz von Linde MH. Heute ziehen 40 Autonome Mobile Roboter (AMR) vom Typ Linde C-MATIC selbstständig und zuverlässig ihre Bahnen durch das weitläufige Areal im niederrheinischen Kevelaer – sehr zur Freude der Verantwortlichen sowie der Beschäftigten in der Kommissionierung.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wie viel Wahrheit in dieser Redensart steckt, beweist das Beispiel der ABS Safety GmbH. Mit dem festen Willen, hochwertige und zuverlässige Absturzsicherungen für das Dachhandwerk zu produzieren, hoben Ludwig und Ingrid Beckers das Unternehmen 2003 im heimischen Keller aus der Taufe. Heute beschäftigt ABS Safety über 200 Mitarbeitende und zählt zu den Top-Adressen für Produkte aus den Bereichen Absturzsicherung, Steigtechnik & Co. Den gleichen Elan legte das Unternehmen an den Tag, als am Firmenhauptsitz in Kevelaer eine umfassende Erweiterung der Logistik notwendig wurde.

Hier sorgen Linde C-MATIC-Unterfahrschlepper für Effizienz

Wer heute die rund 8.000 Quadratmeter große einstige Gewächshausanlage betritt, sieht Transporttische, soweit das Auge reicht. Auf ihnen lagern Paletten mit Kartons, Einzelteile in Gitterboxen, Fächerregale mit Kleinteilen. Sie alle warten auf das nächste „Taxi“ – einen von 40 Linde C-MATIC, die die Warenträger selbsttätig von A nach B transportieren. Gerade nähert sich aus dem breiten Gang in der Hallenmitte ein solches Taxi und biegt in einen Seitengang ein. Dort unterfährt der AMR zielsicher einen Transporttisch, hebt ihn an und macht sich auf den weiteren Weg in Richtung Kommissionierzone. An einer der zahlreichen Stationen steht Logistikleiter Boris Nicolay und überblickt zufrieden das fein getaktete Logistikspiel: „Hier stellen unsere Leute die Kundenbestellungen individuell zusammen. Sie erhalten die Bestellung auf ihr Terminal, fordern darüber den AMR an und bekommen die Ware direkt an ihren Arbeitsplatz gebracht.“

Ein besonderes Feature sorgt für ein deutliches Kapazitäts-Plus

Positiver Nebeneffekt für ABS Safety: Da die Tische bei Richtungswechseln nicht mitgedreht werden müssen, spart man jede Menge Platz. So konnte das Unternehmen rund 15 Prozent mehr Transporttische in der Anlage unterbringen als mit vergleichbaren Wettbewerbslösungen – in Summe sind es rund 2.000 Tische. Auf ihnen lagern Waren, die zweimal täglich per Lkw von der etwa 200 Meter entfernt gelegenen Produktion angeliefert werden. Logistikleiter Nicolay: „Zunächst entladen wir die Wechselbrücken manuell per Stapler und platzieren die Waren auf den bereitstehenden Transporttischen. Ab hier sind dann die Linde C-MATIC am Zug. Sie transportieren die Produkte aus der Anlieferung zu den Lagerplätzen in der Hallenanlage; von dort geht es dann später in die Kommissionierzone.“

Automatisierung: Sicherheit trifft Verlässlichkeit

Damit die Linde C-MATIC auf ihren Wegen durch das riesige Areal allzeit sicher unterwegs sind, verfügen sie über modernste Laserscanner. Erkennt die Technologie Personen, Hindernisse oder andere Fahrzeuge auf dem Fahrweg, reagieren die Geräte unmittelbar und stoppen im Bedarfsfall automatisch. Die Orientierung erfolgt indes über kleine QR-Codes, die auf dem Hallenboden angebracht wurden. Zusätzlich befindet sich ein QR-Code auf der Unterseite jedes Transporttisches. „Da die Waren ab Wareneingang mit den Transporttischen in unserem eigenen Warehouse-Management-System ‚verheiratet‘ werden, ist der Scan des Codes durch den AMR quasi die Bestätigung, dass es sich um den richtigen Warenträger handelt und alles nach Plan läuft“, erläutert Logistikleiter Boris Nikolay.

Gute Partnerschaft schafft beste Ergebnisse

Zufrieden blickt auch Danny Eisenblätter, Sales & Project Manager Automation & Intralogistics bei Linde Material Handling Rhein-Ruhr auf das Gemeinschaftsprojekt in Kevelaer. Ein gutes Beispiel für das produktive Miteinander ist das Thema Bodenbeschaffenheit: „Natürlich wurden die Gewächshausböden nicht für automatisierte Plattformfahrzeuge gemacht. Also haben wir das zusammen analysiert und festgelegt, wo Optimierungen genügen oder wo neuer Boden gebraucht wird.“ Ohnehin pflege man mit dem Unternehmen eine produktive Beziehung, was Geschäftsführer Kai Brendel bestätigt: „Wir schätzen an Linde MH generell, dass man hier nicht aufhört, wenn es individuell wird – ganz im Gegenteil.“ So habe Linde MH Rhein-Ruhr unter anderem bereits für den 2015 neu gebauten Lagerbereich einen Schubmaststapler geliefert, der dank speziellem Hubmast bis zu 9 Meter hohe Regalebenen in einem Verschieberegal bedienen kann.

Der Boden für weiteres Wachstum ist bereitet

Die Bilanz des „Gewächshausprojekts“ kann sich durchweg sehen lassen: ABS Safety blieb nicht nur ein Neubau erspart. „Früher mussten unsere Leute in der Kommissionierung teils weite Strecken zurücklegen; da kamen pro Tag bis zu 20.000 Schritte zusammen. Jetzt sind es circa 8.000 – was die körperliche Belastung erheblich reduziert“, resümiert Geschäftsführer Kai Brendel. Gleichzeitig könne man sich auf einen kontinuierlichen Warenfluss bei minimaler Fehlerquote verlassen. Kein Wunder also, dass man bereits überlegt, weitere Effizienzpotenziale auszuschöpfen. „Aktuell loten wir aus, wie die Roboter nachts die Transporttische für den nächsten Tag vorsortieren könnten“, legt Logistikleiter Boris Nicolay dar. Erfahrungsgemäß dürfte es auch hier vom Willen zum Weg nicht weit sein …

Laptopbildschirm mit visualisierter Lagerbelegung und Standorten der Linde C-MATIC.

Veröffentlicht am 08.04.2026